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15. Jul, 2021
David

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Karibik

Haitis Präsident ermordet

Vergangene Woche wurde Haitis Präsident, Jovenel Moïse, ermordet. Zwei Monate vor den nächsten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen. Einige Analysten sagen, dass „das Land nun das Somalia Amerikas werden könnte“

Wer hat ihn umgebracht?

Eine Gruppe von 28 Männern hat sein Haus gestürmt, ihn ermordet und auf seine Frau geschossen (sie überlebte). Die meisten Angreifer sind ehemalige Soldaten aus Kolumbien; während zwei von ihnen Haiti-Amerikaner sind. Die Polizei hat drei von ihnen getötet und 20 weitere verhaftet. El País hat sogar die Namen der Männer veröffentlicht. Zum Ende der Woche wurde, ein in Haiti geborener Arzt aus Florida, USA, als ein Hauptverdächtiger verhaftet. Sein Name: Christian Emmanuel Sanon. Er ist 63 Jahre alt. Dieser Typ.

Random Fact: Einer der Haiti-Amerikaner, welcher das Haus gestürmt hat, hat die Job-Anzeige, als Übersetzer, online gefunden und tweetete in seiner Freizeit gerne über Astrologie.

Was jetzt?

Das Land ist gerade in einem „Belagerungszustand“. Der jetzige Präsident und Premierminister Claude Joseph ist in die DM’s der UN geslidet: „Wir brauchen Friedenstruppen hier. Wir haben am 26. September unsere Wahlen. Wir brauchen Stabilität.“ Ab nächsten Februar wird Joseph Lambert Präsident sein. Aber wer weiß, was in der Zwischenzeit noch passieren könnte.

Was sagt die internationale Community?

Die Dominikanische Republik ist nur so: „Nah“, und hat einfach die Grenze zu Haiti geschlossen. Andere Regierungen, wie Argentinien, Frankreich und Taiwan und sogar Papst Franziskus höchstpersönlich „verurteilen die Ereignisse“. Aber, wie der kanadisch-haitianische Radiomoderator, Jafrikayiti Jean Elissaint Saint-Vil, letzte Woche in seinem Interview mit CBC gesagt hat, könnte die internationale Community mehr tun, als nur zu „verurteilen“. „Hört einfach auf in unserem Land zu stören. Geht weg.“ Pro-Tipp: Google mal, was die „Core Group“ in Haiti macht und wer dabei ist. *psst Deutschland ist ein Teil davon psst*

Erzähl mir mehr über die Politik in Haiti, aber halt es kurz

Die Politik in diesem kleinen karibischen Land war immer etwas unklar. In den letzten 35 Jahren hatte Haiti 20 verschiedene Präsidenten. Hier ist die Zusammenfassung von der Zeit, als Jovenel Moïse Präsident war:

  • Moïse war sehr unbeliebt. Er hat sogar seine Amtszeit illegal verlängert.
  • Das Land funktioniert immer noch nicht sehr effizient. Nur zehn von 30 Senatoren sind noch im Parlament.
  • Die allgemeine Stimmung im Land geht eher in Richtung „ihr seid Korrupt und ihr Regierungs-Menschen helft nur den Reichen. Zeit für euch zu gehen.“
    • Gut zu wissen: Ein gutes Beispiel dieser Kluft zwischen arm und reich ist wahrscheinlich Rony Célestin, einer von Haitis Gesetzgebern (und enger Verbündeter des Präsidenten). Er hat vor kurzem eine luxuriöse Villa für 3,4 Millionen US-Dollar in Montréal, Kanada, gekauft.
  • Letzten Monat ist dann auch noch der Vorsitzende des höchsten Gerichts an COVID-19 gestorben und 14 Aktivisten wurden, eine Woche vor Moïses Tod, ermordet. Vielleicht hast du in letzter Zeit ja auch mal den Namen Antoinette Duclair gelesen.
  • Moïses Regierung stand zudem auch hinter einer Menge Gewalt. Denk allein an „staatlich unterstütze Massaker“, bei denen etwa 240 Menschen getötet und Tausende andere vertrieben wurden.

Warum das wichtig ist: „Haiti wurde irgendwie von internationalen Medien vergessen“, sagen einige Journalisten. Das letzte Mal, dass das Land groß in den Medien war, war 2010, als der Hurrikan Hunderttausende Menschen tötete und das Land sich davon bis heute noch erholt. Ca. 11 Millionen Menschen leben in der ärmsten Nation Amerikas und einer der ärmsten weltweit.

Eine andere Sicht auf Haiti

Ich habe der Journalistin Gabriela Mesones Rojo geschrieben und sie gefragt, ob sie Musik aus Haiti empfehlen kann:

„Dieses Album ist unglaublich: Vodou Adjae von Boukman Eksperyans. Diese Band ist eine Pop-Gruppe aus Haiti und produziert einen Mix aus traditioneller haitianischer Voodoo Musik und Rock. Deren Texte sind immer sehr politisch angehaucht; Ich meine, viele der Mitglieder sind auch politisch aktiv, durch verschiedene Bewegungen und Revolutionen in Haiti. Die Band ist tatsächlich nach Dutty Boukman, einem Voodoo-Priester, der 1791 eine religiöse Zeremonie leitete, benannt. Viele Menschen glauben, er hat die Haiti-Revolution gestartet.“

Europa

Weiterhin Anti-LGBTQ+-Hass in Georgien – einem eigentlich demokratischen Land in Europa 

Überwiegend weiße, männliche, rechtsextremistische Menschen haben das Office der Organisatoren der Tiflis Pride, in Georgien, gestürmt und zwei Tage lang LGBTQ+-Aktivisten und ca. 50 Journalisten verfolgt und brutal verprügelt.

Dann wurde die Pride-Parade abgesagt und eine Menge Menschen (die einen sagen hunderte, andere sagen Tausende) gingen, aus Solidarität, am nächsten Tag mit der LGBTQ+-Community auf die Straßen und machten es dennoch zu einer inoffiziellen Pride-Parade.

Was sagt die Regierung dazu?

Der Präsident von Tiflis, Kacha Kaladse, und Georgiens (erste weibliche) Präsidentin, Salome Zourabichvili, unterstützten die LGBTQ+-Opfer und Journalisten. Jedoch macht der mächtigste Mann des Landes, Premierminister Irakli Garibashvili, die LGBTQ+-Community für alles verantwortlich, indem er in einer Kabinettssitzung sagte, dass es „inakzeptabel für so viele Menschen im Land ist“ queer zu sein. Es wird allerdings eine Untersuchung der Angriffe geben sagt das Innenministerium.

Warum das wichtig ist: Das sollte die erste offizielle Pride-Parade (ein sehr sichtbar unterstützendes Event für die Menschenrechte der Mitglieder der LGBTQ+-Community) in der Geschichte dieses kleinen, aber sehr stolz demokratischen Landes, im Südkaukasus, werden. Wie Maria Sjödin, Stellvertretende Exekutivdirektorin von OutRight International, sagte: „Pride Events sind ein Lackmustest für Demokratien“. Die LGBTQ+-Community hatte hier schon immer eine sehr schwere Zeit. Viel Missbrauch und Gewalt. Der größte Teil des Landes ist orthodox und gegen sie.

Bring mehr Vielfalt in deinen Feed

Folge den Aktivitäten der OutRight Action International, eine Menschenrechtsorganisation, die seit 30 Jahren für die LGBTQ+-Community weltweit kämpft. Sie haben vor kurzem Pride Around the World, eine erste Serie jährlicher Berichte über Pride auf der ganzen Welt und über die Hindernisse, auf die sie stoßen, veröffentlicht.

  • Einige Highlights dieses Berichtes:
    • 102 Länder veranstalten Pride Events
    • Acht Länder haben ihr erstes Pride Event in den letzten 3 Jahren veranstaltet (Eswatini, Guyana, Mikronesien und Nordmazedonien in 2018; und Angola, Botswana, St. Lucia und Bosnien und Herzegowina in 2019).
    • An vielen Orten, auch an denen mit einer langen Geschichte an Pride Events, finden vermehrt Angriffe statt

Mittlerer Osten

Die Frauen in Afghanistan greifen, gegen die Taliban, zu Waffen

Frauen in ganz Afghanistan setzen jetzt ein Statement gegen die Taliban – Don’t f**k with us. Letzte Woche marschierten sie durch das Land, größtenteils in der Provinz Ghor, hatten Waffen bei sich und sangen Anti-Taliban Slogans. Warum? Frauen dort, sind jetzt nochmal mehr verängstigt, da die Taliban Kontrolle über große Teile des Landes übernehmen, seit ausländische Truppen gesagt haben: „Bye, wir sind bald weg.“

  • Refresher: Ein 20-Jahre-langer Krieg zwischen den Truppen – überwiegend aus den Vereinigten Staaten, Kanada und dem Vereinigten Königreich – und den Taliban, eine ultra-konservative islamistische militante Gruppe, wird zum 31. August „enden“.

Wo steht das Land?

Also, es sieht nicht gut aus. Die Taliban sagen, sie haben 85% des Landes wieder unter ihrer Kontrolle. Afghanische Truppen sind so besorgt, dass im Land wieder ein Bürgerkrieg ausbricht, dass einige Tausende in das benachbarte Tadschikistan geflohen sind.

Warum das wichtig ist: Als die Taliban zwischen 1996 und 2001 an der Macht waren, hatten afghanische Frauen eigentlich keine Rechte, was bedeutet, dass sie nicht zur Schule gehen durften, keine Jobs bekommen konnten, kein Make-up tragen durften und Hausarrest hatten, solange sie nicht mit ihren männlichen Verwandten unterwegs waren. Sie haben für ihre Rechte gekämpft, als die Taliban nicht mehr an der Macht waren. Dieser Progress könnte nun komplett verloren sein.

Schau doch mal anders auf Afghanistan: Folge doch der Frauenrechts-Aktivistin und Politikerin Fawzia Koofi. Sie ist eine der ersten Frauen im sogenannten Kriegsraum während den Friedensgesprächen zwischen den USA, den Taliban und dem afghanischen Militär. Die Taliban haben auch schon einmal versucht sie zu töten. Letzte Woche schrieb sie einen Artikel in der Financial Times, über den Einfluss des langen Krieges.

Highlight Zitat: „Wenn es keinen krieg gäbe, hätte ich Ärztin sein können. Meine Töchter hätten Ingenieurinnen, Unternehmerinnen oder politische Führerinnen werden können. Die Träume vieler Afghanen wurden zu Alpträumen während dieses langen Konfliktes.

Afrika

Aussprache gegen die „Vergewaltigungskultur“ in Senegal nach zwei hochkarätigen Fällen

Vergangene Woche sagten ein Dutzend von Frauen in Dakar, Senegal: „Wie haben es satt, dass Leute mit Vergewaltigungen davonkommen“ in diesem Land. Sie protestierten und „wollen Gerechtigkeit“ für ein 15-jähriges Mädchen, namens Louise (Nachname unbekannt).

Was ist mit Louise geschehen?

Sie wurde im Mai, von dem Sohn eines berühmten Journalisten, vergewaltigt. Er hat von der Vergewaltigung sogar ein Video in den sozialen Medien geteilt (ja, what the actual f**k). Der Hashtag #JusticePourLouise ist viral gegangen. Die Menschen sind wirklich sauer, dass die Polizei sich einen Monat Zeit gelassen hat, bevor sie den Angeklagten bestraften. Sie fordern die Regierung dazu auf, Frauen mehr safe spaces, wie z.B. Unterkünfte oder sogar finanzielle Unterstützung, zur Verfügung zu stellen, um sich vor der Gewalt schützen zu können.

Erzähl mir über den anderen Fall

Im Februar wurde ein renommierter Politiker, Ousmane Sonko, dafür angeklagt eine Massagesalon-Mitarbeiterin vergewaltigt zu haben. Tausende Menschen protestierten (für und gegen ihn), als er dann einen Monat später schlussendlich verhaftet wurde. Leider ist die Liste der Frauen, die von sexuellem Missbrauch in Senegal betroffen sind, sehr lang. Im Mai wurden auch zwei andere Frauen – eine in Louga, eine in Dakar – vergewaltigt und dann ermordet.

Warum das wichtig ist: Vergewaltigung war in Senegal bis 2020 kein wirkliches „Verbrechen“. Heute sind Vergewaltigung und Pädophilie mit einer lebenslangen Haftstrafe belegt, aber Aktivisten sagen, dass das Gesetz „ein bisschen zu spät“ eingeführt wurde und davon nicht wirklich Gebrauch gemacht wird.

Südamerika

Es ist wirklich gefährlich in Caracas Arbeitervierteln, in Venezuela, zu leben

Wieder einmal habe ich die venezolanische Journalistin Gabriela Mesones Rojo, eingeladen, um zu dieser Ausgabe (und unserer Decolonize WeeklySpotify Playlist) etwas beizutragen. Sie hat meine Aufmerksamkeit auf ein wirklich unterrepräsentiertes Thema gelenkt: Es ist zurzeit wirklich gefährlich in einigen Arbeitervierteln in Caracas zu leben, gerade wenn man arm ist.

 Letzte Woche bekämpften sich wieder mal Tausende Polizisten in Caracas, Venezuela, und so genannte mega gangs (große Gruppen bewaffneter Leute), über ganze drei Tage. Mindestens 20 Menschen sind bis jetzt gestorben.

Warum bekämpfen die sich?

Sie kämpfen beide für Macht und Einfluss in vielen Arbeitervierteln in der Hauptstadt. Bis jetzt sind sieben Viertel unter der Kontrolle einer mega gang, angeführt von einem Typen namens El Koki (Er hat ein Kopfgeld auf sich: 500.000 US-Dollar). Er will seine Macht nun in andere Teile der Stadt ausbreiten und die Regierung möchte das stoppen.

Dig deeper: Daisy Galaviz schrieb diesen exzellenten langen Bericht über diese „mega gangs“. „Grob gesagt haben die mega gangs die Szene betreten, als die Policía Metropolitana in Caracas aufgelöst wurde“. Was bedeutet, dass die meisten ihrer Mitglieder ehemalige Polizisten sind.

Warum das wichtig ist: Mindestens 700.000 Menschen stehen zwischen der Gewalt beider Parteien. Dennoch gibt es davon überhaupt keinen Mucks in den traditionellen Medien des Landes.

Es sieht so aus, als würden die mega-gangs „gewinnen“, weil immer mehr Menschen sich denken: „Why the f*ck sollte ich der Regierung vertrauen? Die können uns nicht beschützen“.  Letztendlich hat die Regierung , zwischen 2016 und 2021, mehr als 20.000 Menschen getötet. Die Regierung sagt dazu nur so etwas, wie: „Wen auch immer wir töten ist vermutlich Mitglied einer Gang oder es ist Selbstverteidigung“.

Andererseits kommen die mega gangs auch mit Entführungen, Mord, Erpressung, Autoentführungen und Drogenhandel davon. Plus, Venezuela macht als ganzes Land gerade auch sehr viel durch – politisch, wirtschaftlich und humanitär. Aufgrund dessen haben mehr als 5,6 Millionen Menschen das Land verlassen, was das zu der größten Migrationskrise in Lateinamerikas jüngster Geschichte macht.

Weitere Nachrichten, die du interessant finden könntest

  • China: Gute Neuigkeiten! Der große Panda ist nicht mehr vom Aussterben bedroht.
  • Geschichte: Letzte Woche fand ein Andenken an das Massaker von 37 (überwiegend) Aleviten, vom 2. Juli 1993 in Sivas, Türkei, und an das Massaker von über 8.000 Bosniaken (bosnische Muslime) vom 11. Juli 1995, und den darauffolgenden Tagen, in Srebrenica, Bosnien und Herzegowina, statt. By the way: das ist Europas größtes Massaker seit dem zweiten Weltkrieg.
  • Island: Das weltweit größte „4-Tage-Arbeitswoche“-Experiment in Island ist zum Ende gekommen. Das Ergebnis? „Super erfolgreich“.
  • Nigeria: Es gab erneut eine Massenentführung in einer Schule. Mindestens 150 Schüler werden vermisst. (Ich verspreche in den nächsten Wochen noch genauer hierüber zu berichten.)
  • Eswatini: Mindestens 27 Menschen wurden ermordet, während/weil sie sich für Demokratie, in Afrikas letzter Monarchie, einsetzten.
  • Pornografie: Nach 13 Jahren wird nun XTube, eine sehr große Pornografie-Seite, am 5. September, gesperrt. Das ist ein großer Sieg für Aktivisten gegen Menschenhandel und sexuellen Missbrauch.

Und eine gute Nachricht zum Abschluss

Vor zehn Jahren veröffentlichte die Satire-Nachrichten-Seite The Onion einen Artikel mit dem Titel „Die USA schlüpfen, mitten in der Nacht, leise aus Afghanistan heraus“.

Letze Woche wurde dieser Artikel dann zur Realität. AP berichtet, die „USA haben den afghanischen Flugplatz verlassen und dem neuen Kommandanten nichts davon erzählt.“

Danke an Twitter-User SIGSYS für dieses Juwel einer historischen Gegenüberstellung.

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